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| "Kalender, Kalender, du bist ja schon so dünn, nun ist´s auch bis Neujahr nicht so lange hin." In Abwandlung eines alten Schlagers fassen zahlreiche Junge Grafschafter dies als Motto auf und machen sich wenige Tage nach Weihnachten auf den Weg in den weithin bekannten Ort Hardehausen. Die Einfahrt auf das Gelände des ehemaligen Klosters, das Wiedersehen mit alten und neuen Bekannten, die erste Mahlzeit in dem ehrwürdigen Gemäuer, die immer wieder aufs Neue anregenden Kennenlernspielchen hat manch einer schon oft erlebt und sind doch immer wieder der Auftakt zu vielseitigen, aufregenden, spannenden und auch ein wenig anstrengenden Tagen bei der "Woche der Begegnung". Für die letzten Tage des Jahres 2000 ließen wir fünf Korrespondenten akkreditieren, die von ihren Erlebnissen exklusiv berichten: |
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Heute wollten wir den Einstieg in die Thematik "Europa, die neue Gemeinschaft" finden. Dazu wurde in Kleingruppen zunächst festgehalten, was uns alles zu Europa einfällt. Neben aktuellen Themen wie BSE kamen auch Begriffe wie Europäisches Parlament und Europäische Kommission zur Sprache. Im Anschluss erläuterte uns Marcus Furche die geschichtlichen Zusammenhänge, die zur Bildung der heutigen Europäischen Union führten. Von der Montan-Union über die Römischen Verträge bis zur Einführung des "Euro" wies er auf alle historisch wichtigen Punkte hin. Zum Abschluss bereiteten wir noch Fragen an den Europaparlaments-Abgeordneten Elmar Brok (CDU) vor, der den zweiten Teil des Tages gestalten sollte. Er berichtete uns in einem kurzen Abriss über die Entstehung sowie die Geschichte der EU und der vorhandenen Institutionen. |
| Am Morgen gab es wie immer die Möglichkeit zu schwimmen. Allerdings nahm diese Gelegenheit nur einer wahr und der kam nicht von der Jungen Grafschaft. Der Tag begann mit einem Referat zum Thema "Euro". Dieses wurde gehalten von Herrn Markus Wolfslau, der bei der Sparkasse Hamm tätig ist. Er informierte uns über den Euro als neue Währung und über die Staaten, die ihn als Zahlungsmittel einführen werden. So berichtete er, dass die Teilnehmerstaaten Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Finnland am 3. Mai 1998 festgelegt wurden. Mittlerweile ist auch Griechenland in diesen Kreis eingetreten. Die Wechselkurse wurden am 1. Januar 1999 festgelegt. Kein Land sollte bevorzugt werden. Für uns als Verbraucher bedeutet das, dass wir in jedem Land zu vergleichbaren Preisen einkaufen können. Damit - wenn auch nur zum Teil - die Eigenständigkeit der Länder gewahrt bleibt, darf jedes Land die Rückseiten der Cent-Münzen selbst gestalten. Die Geldscheine jedoch haben in allen Ländern das gleiche Aussehen. Ausgegeben wird der Euro ab dem 17. Dezember 2001. |
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Nachdem wir gefrühstückt hatten und auch die letzen durch ein Kreisspiel, namentlich Laurentia, wach gerüttelt wa-ren, stiegen wir direkt in die Thematik ein. Marcus Furche hielt am Vormittag einen Vortrag über die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der EU. Er begann mit einem einführenden Film, der hauptsächlich die Agrarpolitik der EU behandelte. Durch die zunehmende Rationalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, so beschrieb es der Film, wurde die Produktion dermaßen gesteigert, dass erhebliche Überschüsse entstanden. Die Regierungen der einzelnen Mitgliedsländer versuchten, dem Konkurs der Agrarbetriebe entgegen zu wirken, indem sie die Produkte aufkaufte und Subventionen verteilte. Dies erwies sich als wenig effektiv und man entschloss sich, die Agrarpolitik europaweit zu gestalten und zu reformieren. Die Höfe sollten mehr Eigeninitiative zeigen und eine artgerechte Tierhaltung betreiben. Außerdem sollten nationale Produkte und die Artenvielfalt erhalten bleiben. Der Film zeigte eindrucksvoll den Weg der europäischen Gesetzgebung von der Kommission als vorschlagendes Organ über den Rat und das Parlament als gesetzgebende Organe. Große Fragen über wirtschaftliche Probleme wirft natürlich die EU-Osterweiterung auf. Deshalb ging Marcus auch auf dieses Thema näher ein. Mit folgenden Beitrittskandidaten werden zur Zeit Verhandlungen geführt: Estland, Polen, Tschechische Republik, Zypern, Ungarn, Slowenien, Lettland, Litauen, Slowakische Republik, Rumänien, Bulgarien und Malta. Da vor allem die Staaten der ehemaligen Sowjetunion schlechte wirtschaftliche Strukturen aufweisen, bestehen gewisse Vorbehalte in Westeuropa gegenüber der EU-Oster-weiterung. Tatsächlich ist es aber heute so, dass die Lohnnebenkosten gerade in diesen Ländern sehr niedrig sind, was westeuropäische Firmen dazu bewegt, nach Osten abzuwandern. Die Folge ist eine hohe Arbeits-losenzahl, die auch noch weiterhin steigen wird. Werden diese Länder in die Europäische Union integriert, wird auch ein gewisser Lohnangleich stattfinden, der dazu beiträgt, dass ein Anreiz zum Abwandern der Betriebe fehlt. In der abschließenden Diskussion wurde über die Frage gesprochen, ob nicht auch kulturelle Unterschiede zwischen Ost und West bei der Schaffung eines vereinten Europas zu Problemen führen könnten. |
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Nach einer kurzen Erholungspause ging es mit unserem Tagungsthema weiter. Benedikt und Nicolai Voigt hatten einen Arbeitskreis zum EU-Gipfel in Nizza vorbereitet. Es sollten die Stimmung und die Probleme auf ei-nem solchen Gipfel nachempfunden werden. Dazu wurden verschiedene Gruppen gebildet, die in Form eines Rollenspiels die Länder Frankreich, Deutschland, Polen, Rumänien, Türkei und Marokko und deren Interessen vertreten zu hatten. Die ersten zwanzig Minuten sollte sich jeder anhand eines Artikels aus dem "Spiegel" über sein Land informieren. Die nächsten zwanzig Minuten wurde in den kleinen Gruppen diskutiert, dabei ging es hauptsächlich um die Osterweiterung. Bis zum Abendessen wurde dann noch einmal mit Allen zusammen weiter gearbeitet, wobei meistens Argumente gegen Argumente standen und es zu keinem Ergebnis kam. Es wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Auf jeden Fall waren jedem die Probleme auf einem großen Gipfel wie dem in Nizza klar geworden. Beim abendlichen Spieleabend verbrachten wir einige gemütliche Stunden mit Gesellschaftsspielen im Clubraum. Dann ging es los mit der traditionellen Nachtwanderung. Warm eingepackt und mit Fackeln ausgestattet zogen wir los in die tiefe, verschneite Nacht. Auf der Hälfte der Strecke wurde ein großer Kreis gebildet. Besinnliche Gedanken wurden vorgetragen, ein Lied gesungen und schließlich wärmten wir uns mit dem frisch von Benedikt erlerntem Zulu-Tanz auf. Nun konnten wir getrost den Heimweg antreten. Einige waren sicherlich auch schon sehr müde und gingen sofort ins Bett. Die anderen verbrachten noch einen gemütlichen Abend im Clubraum. Christof Liskamm |
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