Das GlErmi-Treffen

 
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 

  Das GlErmi-Treffen 
vom 19. - 21. November 1999
  
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 

 
    Sankt Augustin, 19.11.99. Morgens um 5:30 Uhr verlasse ich meine Heimat und begebe mich auf zu neuen Ufern, weg von der Bundesstadt Bonn, 
    auf in unsere neue Bundeshauptstadt Berlin. Um 6:00 Uhr am Flughafen Köln/Bonn angekommen, erwarten mich schon die freundlichen Lufthansa- Mitarbeiter, um mich in den Flieger nach Berlin einzuchecken. Als ich dann um 8:00 Uhr lande, liegt tatsächlich etwas Schnee in Berlin. Eine weiße Stadt, die so weiß in den nächsten Tagen auch bleiben wird. 
 
    Tagsüber schaue ich mir diese Stadt auf eigene Faust an, um zu entdecken, was sich alles in dieser Metropole verändert hat. Und ich darf feststellen, dass sich einiges verändert hat. Die Glaskuppel auf dem Reichstag ist da nur ein Beispiel für die neue Kunst am Bau: Glas und nochmals Glas. Nach dem durchfrorenen Tag freue ich mich wahnsinnig darauf, abends eine warme Stube zu haben, altbekannte Gesichter mal an einem anderen Ort zu sehen, aber auch neue Gesichter und mit einigen von ihnen in den nächsten 48 Stunden auch sehr viel Spaß zu haben. Wir sind zu Gast im Alfred-Delp-Haus, am Rande des romantischen Tiergartens, mitten in Berlin. Die kulinarischen Köstlichkeiten werden an diesem Wochenende von unserem Chefkoch Thomas Bonn zubereitet. 
 
    In diesem Jahr lautet das Thema „10 Jahre nach dem Mauerfall“. Dabei sind Glatzer, Breslauer, Ermis und Allensteiner. Am Abend schauen wir uns nochmal die Nachrichten des 9. November 1989 an. Ich kann es kaum glauben, dass es schon 10 Jahre her ist, seit sich halb Berlin in den Armen lag. So schnell vergeht nun mal die Zeit. In einer Gesprächsrunde berichtet jeder darüber, wie er den Abend des Mauerfalls persönlich erlebt hat. Die Erfahrungen reichen von „war dabei“ über„hab ich live im Fernsehen geguckt“ bis „hab die Nacht verschlafen“. Dann folgt in fröhlicher Runde der gemütliche Ausklang des Abends.
 
    Am ersten Morgen heißt es früh aufstehen, denn wir wollen um 9:00 Uhr im Mauermuseum am ehemaligen  Grenzübergang Checkpoint Charlie sein. Dort erzählt uns Hagen Koch, ein ehemaliger Stasimitarbeiter, seine „Mauergeschichte“: Warum er bei der Stasi mitgemacht hat und warum er dann aus der Stasi wieder austreten wollte, was natürlich gar nicht im sozialistischen System vorgesehen war. Ein sehr beeindruckender Vortrag, der vor allem dadurch interessant ist, dass ein Augenzeuge dies uns alles erzählt. Nach dem Vortrag können wir uns noch etwas in dem Museum umschauen. 
 
    Danach geht es ab in den „Osten“, nach Hohenschönhausen. In diesem Berliner Stadtteil ist ein riesiger Gebäudekomplex, die Gedenkstätte Hohenschönhausen, in dem schon die Nazis in den 30er Jahren die größte Küche Berlins für die Soldaten in und um Berlin ausgebaut hatten. Zu DDR-Zeiten war hier eines der größten Gefängnisse für politisch Verfolgte. Auch hier empfängt uns ein Zeitzeuge. Er ist ca. 30 Jahre jung. Vor allem beeindruckt mich tief, dass dieser Mensch in etwa so jung wie wir ist. Also auch ich, Nicolai Voigt, hätte in diesem Gefängnis sein können statt dieses Mannes, wenn ich nicht in Bonn geboren wäre, sondern 600 km weiter östlich in Berlin/Ost. Was dieser junge Mann im Gefängnis alles für Unmenschliches erlebt hat, konnte ich mir selbst in meiner extremsten Einbildung bislang nicht vorstellen. Mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich dort sehe und fühle. Für mich ist dies der beeindruckendste Teil des ganzen Wochenendes. 
 
    Am Nachmittag haben wir Freizeit und können somit die Stadt unsicher machen. Die meisten von uns zieht es in warme Cafes oder Kaufhäuser, um sich vor der sibirischen Kälte zu schützen. Am Abend gibt es das Gericht schlechthin, Chili con Carne. Nach dem köstlichen Mahl zieht es uns in die Hackeschen Höfe, einen Gebäudekomplex im Zentrum, wo sich eine Kneipe neben der anderen befindet. Wir sitzen zuerst unter dem Bahnhof in einer urigen Kneipe. Als wir wieder an der frischen Luft sind, entwickelt sich spontan eine Schneeballschlacht. Manchmal gibt es eben auch bei Erwachsenen eine infantile Phase Zum Schluss noch ein letztes Bierchen mit dem harten Kern in einer anderen Location. 
 
    Der krönende Abschluss des Abends ist ein Spaziergang durch den verschneiten Tiergarten zurück in unsere Unterkunft. Nach dem Frühstück gehen wir zu einer nahe gelegenen Kirche, wo wir zusammen mit der Ortsgemeinde die Heilige Messe feiern. Der Abschied fällt wie immer gefühlsreich aus. Lauter glückliche Menschen liegen sich tränenreich in den Armen, mit einer tiefsitzenden Überzeugung: Ein Super-Wochenende zusammen verbracht zu haben. Bleibt zum Schluss die Vorfreude, sich in einem Jahr in Berlin wiederzusehen. 

    Danke an alle, die zum Gelingen dieses Wochenendes beigetragen haben, vor allem Dominik Kretschmann und Thomas Bonn. 
     

    Nicolai Voigt