Frühjahrstreffen der Jungen Grafschaft in Rulle
Am 3. Märzwochenende nutzten 20 Junge Grafschafter, darunter viele Neue, die Möglichkeit sich intensiv über Organtransplantation zu informieren. In den Referaten eines Chirurgen, eines Koordinators und zweier Betroffener wurden Hintergründe, Ablauf und Risiken der Transplantation dargelegt. Wir konnten zahlreiche Fragen loswerden und Pro und Kontraargumente zur Organspende austauschen.
Glück bei der Referentenwahl
Nachdem der geplante Referent zwei Wochen vor dem Treffen absagte, hatten Charmaine Skene und Anke Bremkamp dieses Glück, als sie sich an Herrn Kriens von der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter der Herzklinik Münster wandten. Er war nicht nur spontan bereit selbst zu kommen, sondern brachte auch noch drei Referenten mit.
Nach intensiver Werbung bis zum letzten Tag trafen am Samstag Teilnehmer aus nah und fern ein. Beim Kaffee war die Frage Und wie heißt Du? in aller Munde, denn glücklicherweise waren wieder viele neue Gesichter dabei.
Mit der neuen
Pumpe volle Kraft voraus
Kurze Zeit später war unsere Meinung zum Thema gefragt. Sehr offen wurden Bedenken und Befürchtungen gegenüber einer Organentnahme nach dem Tod geäußert. Herr Kriens berichtete von seiner Erfahrung mit dem neuen Herzen. Durch die Transplantation vor 6 Jahren hat er eine ganz neue Lebensqualität erreicht. Heute muß er zwar täglich Tabletten schlucken, um eine Abstoßungsreaktion zu unterdrücken, kann aber seitdem wieder seine Familie ernähren und auch Radtouren unternehmen, wozu er vor der Transplantation nicht mehr in der Lage war.
Transplantat ist dem Kunstherz überlegen
Anschließend berichtete Herr Dr. Schmid, Transplantationschirurg an der Uniklinik in Münster unter anderem, daß nur transplantiert wird, wenn eine medikamentöse Therapie versagt und eine reelle Chance für eine Besserung besteht. Am Beispiel des Herzens zeigte er die medizinische Entwicklung auf. So hatte Dr. Barnard 1967 in Kapstadt das erste Herz erfolgreich verpflanzt. Mit Dias zeigte uns Herr Dr. Schmidt wie eine Herzoperation vor sich geht.
Nur auf der Intensivstation Verstorbene sind potentielle Organspender
Die Frage Wer wird Organspender stand bei Herrn Kley, Koordinator an der Uniklinik Münster, im Vordergrund. Lebendspenden sind nur unter Blutsverwandten und Ehepartnern möglich und nur von paarigen Organen, wie z. B. der Niere. Sonst stammen die gespendeten Organe von Verstorbenen. Schwere Hirnverletzungen, z.B. durch einen Unfall, können zum Absterben des Gehirns führen. Dies hat den Ausfall der Atmung zur Folge. Wenn der Hirntod im Krankenhaus unter künstlicher Beatmung eintritt, handelt es sich um einen potentiellen Organspender. Nach ärztlicher Schätzung kommen etwa 4000 Verstorbene als potentielle Organspender in Betracht. Hiervon wurden 1994 nur 1510 den Transplantationszentren gemeldet, wovon 31% ihre Zustimmung verweigerten.
Wille des Verstorbenen häufig nicht bekannt
Die Zustimmung zur Organspende muß häufig von den Angehörigen eingeholt werden, da keine Äußerung des Verstorbenen vorliegt. Sie werden damit in ihrer Trauer vor eine sehr schwere Entscheidung gestellt. Deshalb wurde empfohlen über dieses Thema in der Familie zu sprechen. Außerdem machte Herr Kley darauf aufmerksam, daß nach der Organentnahme eine Bestattung in gewohnter Weise stattfinden kann.
Wie heißt Du doch gleich?
Nach dem Abendessen betrachteten wir gemeinsam den diesjährigen Jugendkreuzweg, dessen Bilder mit Texten und Gebeten untermalt wurden. Nach diesem besinnlichen Teil schloß sich uns eine nette Gruppe vom Jugendrotkreuz an und gemeinsam versuchten wir unser Namensgedächtnis mit einem amüsanten Kennenlernspiel auf Vordermann zu bringen. Einige lieferten sich dann eine Billardpartie, andere spielten Tabu, schauten Fotos an oder unterhielten sich. Bis in die frühen Morgenstunden wurde getanzt. So fiel uns das Aufstehen mehr oder weniger schwer.
Widerspruchslösung könnte Erleichterung bringen
Als aber Herr Liebermann von der ArbeitsGruppe Organspende wieder für Fragen zur Verfügung stand, waren alle interessiert dabei. Diese Arbeitsgruppe setzte sich im letzten Jahr für ein Transplantationsgesetz nach dem Vorbild von 13 europäischen Nachbarstaaten ein. Dort ist jeder ein potentieller Organspender, außer wenn er seinen Widerspruch erklärt. Dies führt zu einer verbesserten Lage für Organspendebedürftige. Herr Liebermann, der selbst mit 41 Jahren ein 24 jähriges Spenderherz bekam, konnte aus eigener Erfahrung berichten, wie es war das erste Mal wieder richtig durchatmen zu können.
Insgesamt ein wirklich gelungenes Wochenende, das wir ganz besonders dem freiwilligen Engagement unsere Referenten zu verdanken haben. Zu danken ist auch Anke und Charmaine, bei denen in den Tagen vor dem Treffen die Telefonleitungen heiß liefen. Rückblickend möchte ich auch Charmaines Engagement zu den Themen Gefahr Scientology und Jugendstrafvollzug hervorheben. Sie verabschiedet sich nach drei Jahren aus der Leitung des Frühjahrstreffen. Herzlichen Dank für Deine Mitarbeit!