Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin! Einladung
Dieses Motto galt am Nikolauswochenende nicht etwa Schlachtenbummlern zweier Fußballvereine auf dem Weg zum alljährlichen Pokalendspiel. Sondern rund 40 Jungen Grafschaftern, Ermis und Allensteinern, die zum fast schon zum Kult avancierten alljährlichen Glermi-Treffen in Berlin zusammenkamen. Bei der Zugfahrt war diesmal neben einem Sitzplatz für jeden auch der Bordservice in Braunschweig inklusive. Bis Berlin stieg die Anzahl der Zugfahrer auf 20 Leute, so daß dort zunächst der Bus der Linie 100 (nette Zahl, die konnte sich jeder merken) überfüllt wurde. Der brachte uns in die Nähe unseres mitten in Berlin liegenden Quartiers neben dem Tiergarten.
Die freundliche Begrüßung der dort im Alfred-Delp-Haus bereits
versammelten Teilnehmer
und
die Tatsache, daß auch für die meisten Zugfahrer diesmal ein Bett
vorhanden war, sorgte schon für gute Stimmung. Sie wurde durch ein
reichhaltiges Abendessen mit Pilzsuppe weiter ausgebaut. So waren
schließlich alle bereit, sich näher kennenzulernen, was in Spielen
anschließend ausgiebig praktiziert - genauer gezippt und
gezappt wurde. Das brachte Bewegung in die trägen Teilnehmer
- von Bewegungsmuffeln wie z. B. Herrn K. aus M. einmal abgesehen. Im weiteren
Verlauf des Abends wurden wir dann durch die Organisatorinnen mit einer
brillanten Charleston-Darbietung auf das Rahmenthema des Treffens eingestimmt:
Berlin der 20er Jahre. Diese tolle Einlage verhalf auch den restlichen
Teilnehmern zu Höchstleistungen. Ein Quiz zu den verschiedensten Aspekten
dieser Stadt verlangte vielfältiges Wissen bzw. Ratevermögen.
Der Rest des Abends klang gemütlich aus. Auch die letzten beiden anreisenden Teilnehmer konnten des Nachtens - ziellos umherirrend - von der Straße aufgelesen werden. Sie wurden zwecks sofortigem Einleben gleich in eine Lokalität im Europa-Center umgeleitet. Spätestens nach einer fettigen Pommes an der Stammbude von Bruce Willis auf dem Kudamm, war die Welt dann wieder in Ordnung.
Am Samstagmorgen folgte ein frohes Erwachen: Der Nikolaus war da! Er hatte
jeden in Form
eines
Überraschungseis beschert, dessen Inhalt so manch einen Teilnehmer für
den Rest der Tagung mit Spiel, Spaß und Spannung beschäftigte.
Munter stürmten wir nach dem Frühstück unsere
Hausbuslinie 100, die uns bis zum Zoo brachte. Sehr zum Bedauern
einiger Teilnehmer, die diesen offensichtlich gerne besucht hätten,
trafen wir uns dort mit den Leitern unserer Stadtführungen. Zur Vertiefung
unseres Rahmenthemas standen nämlich gleich drei Führungen zur
Auswahl. Eine Gruppe von Literaturfreunden wandelte unter dem
Thema In Berlin friert man schon bei plus 15 Grad Celsius. Eine Reise
durch die 20er Jahre mit Joseph Roth. auf den Spuren dieses Schriftstellers
und begab sich zu den Schauplätzen seiner Schilderungen.
Eine zweite Gruppe beschäftigte sich unter dem Motto Hallo, Roter Wedding vor Ort mit dem sozialen Lebensalltag in den 20er Jahren. Die Führung Kinolandschaften in Ost und West zeigte den Teilnehmern die verschiedenen Stationen der vielfältigen Kinogeschichte Berlins, vom Schauplatz der ersten öffentlichen Kinovorführung bis hin zum Zoopalast. Ein besonderer Schwerpunkt lag freilich auch hier auf dem Zeitraum der 20er Jahre. Die Form der Führungen - ein Stadtgang unter Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel - und die Anschaulichkeit der Erläuterungen vor Ort, war sehr lebendig und brachte die schon zurückliegende Zeit und ihre Aspekte eindrucksvoll näher.
Dennoch waren viele der Teilnehmer nachher dankbar für einen heißen Kakao (mit und ohne Rum), um die klammen Hände und Füße wieder ein wenig aufzuwärmen. Letztere wurden im weiteren Verlauf auch noch gebraucht, galt es doch nun erst einmal den Funkturm samt Baustelle (was auch sonst?) zweimal zu umrunden, um ihn anschließend gemeinsam zu erklimmen. Nach diesem Höhepunkt des Tages stand der Rest des Nachmittages zur freien Verfügung. Ein Teil der Gruppe nutze die Zeit, um sich auch über die Nobelherbergen Berlins ein wenig näher zu informieren....Resümee dieses Ausfluges in das Foyer des neuen Adlon: Das Wichtigste an einem Hotel ist der Portier...gell, Roland?
Große Berge Spaghetti mit Tomatensoße erwarteten uns im Alfred-Delp-Haus, denen nach den Anstrengungen des Tages kräftig zugesprochen wurde. Satt und zufrieden widmete sich ein Großteil der Teilnehmer Spielen zur Persönlichkeitsfindung, bevor man sich dann vielzählig ins Berliner Nachtleben stürzte. Eine Gruppe übte sich im Tacheles reden, was einigen Teilnehmern bei der Schmuddeligkeit dieser berüchtigten Studentenkneipe sichtlich schwerfiel. Auch bei anderen Freunden der Nacht stand die Schmuddeligkeit im Vordergrund. Nach einem strammen Fußmarsch bei strömendem Regen in Richtung Kreuzberg testete man dort angekommen die verschiedensten schmuddeligen und undefinierbaren, aber deshalb um so delikater schmeckenden Döner. Zwischendurch wurde der durch z.T. scharfe Zutaten entfachte Durst natürlich in einigen Kneipen wieder gelöscht...
Am Sonntag fuhr uns die Buslinie 100 durch das völlig verregnete Berlin, vorbei an der Siegessäule, am Schloß Bellevue, dem verhüllten und im Umbau befindlichen Reichstag, durch das Brandenburger Tor bis zur Hedwigskathedrale. Dort nahmen wir gemeinsam an einem lateinischen Hochamt teil. Wieder zurück im Alfred-Delp-Haus folgte nicht etwa ein Frühschoppen, sondern die ermländische Stunde der Gemeinschaft. Nach dem abschließenden gemeinsamen Mittagessen war die Zeit des Abschieds schon wieder viel zu schnell gekommen. Ein Troß von Leuten stürmte mitsamt Großgepäck den daraufhin wieder überfüllten Bus und zerstreute sich mit Hilfe schneller Züge in alle Himmelsrichtungen. Dabei stellte ein Teil der Gruppe fest, daß ICE fahren toll und Großraumwagen zudem doch sehr gemütlich sein können. Allerdings ist es für viele unverständlich geblieben, warum ein Single in den besten Jahren den freien Sitzplatz neben sich auch gegen attraktive und charmante Raucherinnen vehement verteidigte...
Fazit: Wieder mal ein gelungenes Glermi-Treffen. Deshalb auch in diesem
Jahr unser Motto:
Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin!!!
Christiane Güttler