RUNDBRIEF 2/2007

 

   Die Grafschafter Großdechanten

Fortsetzung

 

Großdechant und Apostolischer Protonotar Leo Christoph (1962 – 1977)

 

Die Lebensdaten ergeben ein interessantes Mosaik lebendiger Tätigkeit:

06.02.1901 geboren in Buchau bei Neurode

14.02.1926 Priesterweihe in Breslau durch Kardinal Bertram

           1926 Kaplan in Ludwigsdorf

           1928 Kaplan in Habelschwerdt

           1931 Generalvikariatssekretär in Mittelwalde

           1938 Generalvikariatssekretär in Glatz

           1939 Stiftspfarrer in Glatz-Scheibe

           1942 Diözesan-Caitasdirektor der Grafschaft Glatz

           1946 Pfarrvertreter und Kaplan in Aurich (Ostfriesland)

           1952 Diözesan-Caritasdirektor in Osnabrück

           1956 Kurator der Kongregation der Grauen Schwestern von der Hl. Elisabeth in

           Reinbek bei Hamburg

           1962 Großdechant der Grafschaft Glatz – Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz

           1977 Seelsorger im Altersheim der Schwestern von der Hl. Elisabeth in Reinbek

03.01.1985 gestorben im Krankenhaus Reinbek – Grabstätte auf dem Friedhof in Reinbek

 

Gott schenkte dem emeritierten Großdechanten der Grafschaft Glatz Leo Christoph solche Eigenschaften, die ihn zum leuchtenden Vorbild für alle werden ließen, die ihm begegneten: die Freude am Christsein, sein Beten und Opfern, seine ganz persönliche Zuwendung an jeden, der bei ihm Rat suchte, die Demut und Bescheidenheit und seine vorbehaltlose Hingabe an den Willen des Vaters im Leben und Sterben.

 

Für das Grafschaft Glatzer Gottesvolk war er der unermüdliche Seelsorger, der die ältere Generation mit der jüngeren verband, die Priestergemeinschaft der Grafschaft Glatz dahin ausbaute in der persönlichen Begegnung mit den Mitbrüdern in der damaligen DDR. Ab 1963 trafen sich auf Einladung durch Pfarrer Rudi Karger und danach durch Propst Günter Negwer jeweils heimlich am Mittwoch nach Ostern ca. 25 – 30 Mitbrüder aus der DDR und 10 – 15 Priester aus dem Westen. Diese wirklich guten Treffen am Ostermittwoch finden auch nach der Wende noch statt und stärken das Gemeinschaftsgefühl des Grafschafter Klerus.

 

Bei den Wallfahrten und Heimattreffen gab Großdechant Leo Christoph den Landsleuten neuen Glaubensmut. Er verstand es in wunderbarer Weise, Altes mit Neuem aus der Glaubenswelt zu verbinden.

 

Für die Schwestern von der Hl. Elisabeth war er der gütige Wegweiser zum Vater aus der Feier der Eucharistie und der Begegnung mit dem Wort Gottes.

 

Als Großdechant Leo Christoph 75 Jahre alt wurde, trat er in seiner Bescheidenheit wieder in das zweite Glied zurück und half seinem Nachfolger, in die Arbeit der Großdechanten hineinzuwachsen.

 

Großdechant und Apostolischer Protonotar Paul Sommer (1977 – 1983)

 

1977 übernahm als kanonischer Visitator für Priester und Gläubige aus der Grafschaft Glatz Paul Sommer im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das Amt des Großdechanten. Seine sechs Jahre in dieser Tätigkeit waren ausgefüllt mit dem Unterwegssein für die Menschen seiner Heimat. Seine Wiege stand am 8.12.1917 in Posen. Bald zog die Familie Sommer wieder in die Grafschaft. Paul Sommer fühlte sich als Neuroder. Er wurde am 20.12.1941 als letzter der Grafschafter Priester für den preußischen Anteil der Erzdiözese Prag durch Kardinal Bertram in Breslau zum Priester geweiht. Seine Kaplansstelle in Schönfeld für Schönfeld, Gläsendorf und Lauterbch füllte er mit großer Freude aus. Die Gemeinde liebte ihren „Pater Sommer“.

 

Nach der Vertreibung baute er die Gemeinde St. Michael in Bünde-Holsen in schwierigster Diasporasituation auf, er war unterwegs zu seiner Gemeinde und für sie, um die Gemeinde mit Kirche, Pfarrheim und Pfarrhaus entstehen zu lassen.

 

Als er 1977 in die Fußstapfen von Großdechant Leo Chistoph trat, wollte er seine Gemeinde nicht verlassen und war wieder unterwegs zu Wallfahrten und Heimattreffen. Sein Wort fiel stets auf guten Boden und brachte Früchte für das Leben in Familie und Gemeinde. Wie seine Vorgänger legte Großdechant Sommer Wert darauf, dass unsere Heimatvertriebenen sich auch in den jetzigen Gemeinden engagierten. Ihm haben wir das Kirchenliederheft der Grafschaft Glatz zu verdanken, das und in Verbindung hält mit der schönen Grafschaft Glatz. Unvergesslich ist die Kassette mit der Wanderung durch die Wallfahrtsorte der Grafschaft Glatz. Er war bei seinem vielen Unterwegssein stets der Seelsorger, Freund und Berater für alle Menschen, denen er begegnete und die seinen Rat suchten. Die Doppelbelastung als Pastor und Großdechant zehrte an seinen Kräften.

 

Nach einem Herzinfarkt und weiteren körperlichen Gebrechen rief Gott ihn am 26.03.1983 in die ewige Heimat. Seine letzten Worte auf dem Sterbebett bleiben uns ein Vermächtnis: „Grüßt mir die Heimat und die Menschen meiner Gemeinde St. Michael. Ich habe sie sehr geliebt!“

 
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