RUNDBRIEF 01/2007

 

   Junge Grafschaft in Hardehausen 2006/07

 

27. Dezember 2006

28. Dezember 2006

29. Dezember 2006

30. Dezember 2006

31. Dezember 2006 + 01.01.2007

 

   27. Dezember 2006

Am 27. Dezember 2006 werden Kisten mit Material, Taschen, Verkleidungen und Liederbücher zusammengesucht und ins Auto gepackt. Warum? Weil es wieder soweit ist, die Jahreshaupttagung der Jungen Grafschaft in Hardehausen beginnt. Zu Hause herrscht hektische Aufbruchstimmung, im Jugendhaus Hardehausen wenig später Wiedersehensfreude. In diesem Jahr erstmal nur eine kleine Schar, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch.

 

Am Abend hält Ansgar Hester für und mit uns und der Grafschafter Gemeinschaft einen Gottesdienst in der Kapelle. Jetzt kann man in Ruhe ankommen und die Woche in Gottes Hand legen. – Der anschließende Spieleabend beginnt mit Kennenlernspielen und dann kommt der Höhepunkt: Baut eine Murmelbahn! Aber nur aus 2 Blättern Papier und 2 Tonkartonbögen; eine Schere dient als einziges Hilfsmittel. Es darf nicht geklebt werden und das Ziel ist es, eine Kugel möglichst lange in Bewegung zu halten. Und auch wenn man es kaum glauben möchte: Sie rollte bei allen Bahnen – mal länger, mal kürzer. Der Abend klingt mit gemeinsamem Singen in gemütlicher Runde aus.

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   28. Dezember 2006

Am nächsten Morgen fällt das Aufstehen noch relativ leicht, und gestärkt durch das Frühstück kann man gut in den Tag starten. Wie das Tagungsthema verspricht, wird es chinesisch. Zwei echte Chinesinnen sind heute unsere Gäste. Yang Liu (erst der Nachname, dann der Vorname, so wie es in China üblich ist) erzählt uns alles über Land, Kultur, Geschichte, Religionen und vieles mehr. Wir sehen einen chinesischen Film über die Stadt Wuhan, und merken auch, ohne das Gesprochene zu verstehen, wie die Chinesen ihr Land selbst sehen. Es folgt ein kleiner Sprachkurs, in dem jeder etwas sagen muss, und so können am Ende des Tages alle chinesisch zählen und eine kurze Unterhaltung auf chinesisch führen. Auch einige Schriftzeichen lassen sich wieder erkennen und abschließend wird uns echte chinesische Kalligrafie gezeigt – sehr beeindruckend und unglaublich schwer nachzumalen. Ein gelungener chinesischer Tag geht zu Ende mit einem Activity-Spiel, das das Erlebte und Gelernte noch einmal Revue passieren lässt. Mit der Abendbesinnung schließt der Tag.

Dorothee Gellrich i

 

 

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   29. Dezember 2006

Der nächste Morgen mit Warmmachspielen (Blinzeln und eine abgewandelte Form der Reise nach Jerusalem). In Kleingruppen beschäftigten wir uns dann mit den unterschiedlichen Lebensbedingungen für die Bevölkerung Chinas. Wir werteten verschiedene Informationstexte aus, um dann jeweils in die Rolle eines konkreten Chinesen zu schlüpfen. In der sich anschließenden Interviewrunde, die von Dorothee geleitet wurde, erfuhren wir eine Menge über den sehr unterschiedlichen Alltag dieser Personen. Ein Wanderarbeiter, der vom Land in die Stadt gezogen war, um dort Arbeit zu finden, stellte uns die Schwierigkeiten der Arbeitssuche vor Augen. Von einem Vertreter der neuen sehr reichen Oberschicht erfuhren wir, dass man dort einerseits schnell aufsteigen kann und gut verdient, dass dieser Aufstieg aber sehr zerbrechlich ist, da man immer von der Gunst der Regierenden abhängig ist. Fällt man da in Ungnade geht’s genauso schnell wieder abwärts. Auch ein Bauer aus der armen, fast rechtlosen Landbevölkerung, stellte uns seine Situation vor Augen. Durch das Interview konnten wir uns in die Rolle eines dieser Menschen einfinden und lernten so sehr viel über die Gesellschaft Chinas.

 

Am Nachmittag ging es über Stock, Stein und Matsch bei der Hüttenwanderung. Diese stand unter dem Thema Detektive und war wie auch schon in den vorherigen Jahren von Brigitte Gellrich und Annika Jäschke sorgfältig vorbereitet worden. Dick eingepackt (aber nicht so dick wie in den letzten Jahren) starteten die Gruppen in Abständen von 15 Minuten, nachdem sie in der Schmiede ein Wanderrätsel, eine Wanderaufgabe und einen Marschplan erhalten hatten. Die Wanderung sollte uns in diesem Jahr nicht zu der bekannten Hütte der letzten Jahre führen, sondern wieder ein Rundweg von ca. 3 Stunden Länge sein. Einige Gruppen brauchten jedoch mehr Zeit, da sie sich direkt nach der ersten Station, vom Hunger geleitet, verliefen und direkt die vierte Station ansteuerten, wo es die Verpflegung geben sollte. Hier wurden sie umgehend und ohne Verpflegung auf den richtigen Weg geschickt. Wer den rechten Weg genommen hatte, kam zuerst bei der Miss Marplestation an, wo uns Christel Pabsch, Christel Geismann und Cäcilia Raschper Fragen über Miss Marple stellten, die ältere Dame, die in ihrer Freizeit Kriminalfälle löst. Außerdem war ein Krimirätsel zu lösen.

 

Weiter ging es mit frohem Mut und noch warmen Füßen. Der Weg führte uns eine Straße hoch an deren Ende Johannes und Simone mit der nächsten Station auf uns warteten. Hier galt es, einige Fragen zu den drei Fragezeichen zu lösen und mit einer Taschenlampe Morsezeichen zu geben. Hiernach ging es weiter. Der Weg wurde immer schlechter und endete in einem matschigen Abhang. Dieser mündete jedoch schließlich auf einer asphaltierten Straße, auf der wir sicher zur 3. Station unter Leitung von Rudolf Herden und Christoph Herrmann gelangten. Hier waren Fragen zu Sherlock Holmes und ein Bilderrätsel zu lösen. Auch bestand hier die Möglichkeit, sich durch Schokolade oder ein Schnäpschen innerlich aufzuwärmen. Die nächste Station stellte die Verpflegungsstation von Mirko dar. Es gab leckeren Kuchen, Trinkpäckchen, Kaffee und Tee. So gestärkt ging es weiter zur äußeren Erwärmung bei Norbert Gellrich und Martin Schneider. Am lodernden Lagerfeuer waren wieder einige Aufgaben zu lösen. Es waren die Spuren verschiedener Tiere zu erkennen und die Gruppe musste durch einen Hulahupreifen steigen, wobei man die Hände nicht loslassen durfte. Dies war möglichst schnell durchzuführen. Durch das Feuer und die Bewegung wieder aufgewärmt, ging es zum Endspurt. Schließlich galt es, noch eine letzte Aufgabe in der Schmiede zu lösen. Nachdem einige Fragen zu dem Geheimagenten James Bond gelöst waren, durfte man sich noch sportlich im Parcourslauf betätigen. Der krönende Abschluss war das Abwerfen einer Dose. Danach ging es an die Vorbereitungen des Abends. Es war ja noch ein Rätsel zu lösen und ein Stück zu schreiben. Dann begann der Hüttenabend mit Musik, Tanz und der Aufführung der selbst geschriebenen Stücke. Wir durften eine Nachrichtensendung mit Gehörlosenübersetzung, eine Liebesgeschichte zu einem Elefanten bzw. dessen Dompteur, die spannende Rettung eines Elefanten aus dem All und das Musical über den scheinbaren Mord an einer Nachbarin bewundern. Schließlich kam es zur Siegerehrung. Wie jedes Jahr war es sehr knapp, aber Gruppe 4 hatte den Sieg davon getragen und wurde mit einem Orden und einem Detektivausweis geehrt. Nach einigen weiteren Stunden bei Musik und Tanz fielen alle müde ins Bett.

Sebastian Gellrich i

 

 

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   30. Dezember 2006

Ein weiterer chinesischer Tag lag vor uns. Er begann mit Arbeitsgruppen zu den Menschenrechten, die in China leider oft verletzt werden. In beeindruckenden Texten erfuhren wir Informationen über Organhandel, die Situation von politisch Gefangenen, die Verfolgung der Falun Gong Anhänger. Anschließend wurden die Artikel in der großen Runde vorgestellt. Dieser sehr negative Aspekt von China wurde uns deutlich im Gegensatz zu den schönen Erzählungen der Chinesin am Vortag.

 

In der Mittagspause tritt die JG gegen die Gemeinschaft Junges Ermland traditionsgemäß im Volleyballspiel an. Erster Satz – gewonnen! Zweiter Satz – verloren! Im dritten und entscheidenden Satz reicht es ganz knapp leider nicht für den Sieg. Aber es war ein schönes, spannendes Spiel und wir werden immer besser.

 

Am Nachmittag geht es weiter. Zuerst gibt es einige Infos zu Wirtschaft und Politik Chinas, damit wir gerüstet sind für den Nachmittag, an dem es um das Wirtschaftswachstum geht, von dem man fast täglich in den Zeitungen liest. Es ist möglich geworden durch die Öffnungspolitik der Kommunistischen Partei und schreitet rasch voran. Viele Investoren kommen aus dem Ausland nach China, um hier zu produzieren oder Technologien zu verkaufen. Über ein konkretes Beispiel berichtet Gebhard Weiß. Er war für seine Firma bis jetzt zweimal in China. Sie haben Bauteile für das Abwassersystem entwickelt und haben auch – wie viele andere mittelständische Firmen – China als neuen Markt entdeckt. Gebhard Weiß zeigt uns viele Fotos, die uns einen guten Einblick in das chinesische Leben in der Stadt geben. Durch seine lockere Erzählweise und abwechslungsreiche Bilder wird es ein sehr kurzweiliger interessanter Nachmittag, der schnell verfliegt.

 

Am Abend fanden sich alle JGler im Clubraum ein. Gemütlichkeit breitet sich aus. Bei netten Gesprächen hat man die Möglichkeit, schon einmal Dekorationsmaterial für den Bunten Abend zu basteln. Es wird gemalt und geschnitten und im Laufe des Abends entstehen viele schöne Elemente, die am nächsten Tag die Schmiede verwandeln sollen.  

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   31. Dezember 2006 / 01. Januar 2007

Das Ende der Tagung ist schon in Sicht, aber der Höhepunkt, der Bunte Abend und Silvester, steht noch bevor. Am Vormittag bekommen wir Besuch von der GJE, die uns ihr Programm für das kommende Jahr vorstellt und herzlich einlädt. Es folgt die Reflektion der Woche der Begegnung und auch die Reflektion des vergangenen Jahres. Und eine ernste Aussprache über die Zukunft.

 

Dann stand noch der Abschied vom Personal des Hauses an, weil wir wieder wie früher in den Genuss voller Verpflegung bis zum Neujahrsmorgen kamen. Unter fleißigen Händen verwandelt sich die Schmiede dann in eine Szene aus dem Wilden Westen: es entstand eine Indianerecke mit Tipi und Lagerfeuer, der Saloon lädt ein mit Bar, Spieltischen und einem Klavier und ein Gefängnis fehlt auch nicht. Ein Zaun eines Siedlerhauses mit Wäscheleine im Garten und der Sonnenuntergang über der Prärie runden die Verwandlung ab.

 

Im Jahresschlussgottesdienst bietet sich die Gelegenheit, für das vergangene Jahr zu danken, es noch einmal zu bedenken und für das neue Jahr zu bitten. Großdechant Franz Jung feiert die Heilige Messe und Instrumente und Chor sorgen unter der Leitung von Georg Jaschke für die musikalische Gestaltung.

 

Nach dem Gottesdienst beginnt das große Umziehen, Schminken und Freuen auf den Wilden Westen. Es erscheinen Indianer und Squaws, Cowboys und Cowgirls, Siedler und Pioniere und die Daltons werden gesehen. Es gibt ein reichhaltiges Büfett und Countrymusik. Doch es ist ein Streit im Saloon entbrannt: Indianer, Cowboys und die Sheriffs streiten um eine Büffelherde, die unweit von allen entdeckt wurde. Die friedliche Lösung ist ein Wettkampf um das begehrte Fleisch. Beim Steckenpferdreiten zu zweit und bei Pantomime wird das Siegerteam ermittelt: die Cowboys. Sie erhalten das Büffelfleisch in Form von Snickers und alle feiern gemeinsam weiter. Für den Jahreswechsel gehen wir nach draußen an ein Feuer.

 

Die Stimmung steigt im Laufe der Nacht immer weiter. Es wird getanzt und gesungen und es wäre schön, wenn es nie aufhören würde. Aber irgendwann ist auch der tapferste Krieger müde.

 

Und dann heißt es Kisten, Taschen und alles andere wieder ins Auto zu packen und Abschied zu nehmen. In Hardehausen herrscht Abschiedsstimmung, etwas später zuhause träumt man von den ereignisreichen und schönen Tagen. Hoffentlich sehen wir uns am Ende des neuen Jahres wieder in Hardehausen …

Dorothee Gellrich i

 

 

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