KAPLAN GERHARD HIRSCHFELDER

 - ein Märtyrer aus der Grafschaft Glatz

 

 

 

 

  

Einzug 

 

 

Im Dom zu Münster

 

 

 Der Nuntius weiht die Kerze 

 

 

Eröffnung des 

Seligsprechungsprozesses

 

 

Bischof Reinelt aus Dresden

Wenn der Großdechant Franz Jung zum Gottesdienst einlädt, ist das für die meisten von uns nicht unbedingt ein Highlight. Sein Titel sagt ebenso wie manche Predigt nicht mehr allen Jungen Grafschaftern etwas, und das häufig angeschnittene Thema der Vertreibung ist inzwischen für viele längst passé. Und ob der oft beschworene Grafschafter Geist dann eben auch wirklich da ist, wenn er so herbei zitiert wird, sei nun mal dahingestellt. Und was soll das schließlich überhaupt noch mit dem Bezug zur Grafschaft...? 

Wer sich jedoch an einem sonnigen Samstag im September nach Münster aufmachte, der konnte auf diese Fragen vielleicht eine Antwort finden. Dort fand nämlich die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Kaplan Gerhard Hirschfelder statt. 
Zugegeben, das hört sich zunächst einmal wirklich nicht sehr spannend an. Doch jeder, der diesen Gottesdienst im Hohen Dom zu Münster mitfeierte, wird ihn wohl kaum vergessen: Knapp drei Stunden mittelalterliche Mystik live! 

   

Lasst Eurer Phantasie mal freien Lauf: 
Stellt Euch den fast tausendjährigen Münsteraner Dom vor. Hoch, schlicht und aus beige-grauem, warmen Sandstein. Stellt Euch weiter vor, Ihr würdet am Beginn der Messe mit einziehen. Durch ein hohes Seitenportal in das Kirchenschiff eintreten. Mitten hinein in eine Wolke aus Orgelmusik. Hinein in eine Menschenmenge, die seit Stunden auf den begehrten Sitzplätze wartet. Vor Euch schweben Banner, hinter Euch drängen sich über dreißig Priester, verbeugen sich vor dem Altar, umrunden ihn und warten auf den Großdechanten, die Bischöfe, die Weihbischöfe und den Nuntius. 

Stellt Euch den Chor und das Orchester vor, die sich nur zweimal im Jahr sehen und hart für dieses Ereignis geprobt haben. Stellt Euch Kerzen vor und Sonnenstrahlen, die sich durch Weihrauchsäulen ziehen. Stellt Euch drei Dutzend Geistliche am Altar vor, stellt Euch eine zierliche alte Dame aus der Tschechei vor – eine Zeitzeugin, die bei Gerhard Hirschfelder noch Jugendstunde hatte und die mit ergreifenden Worten ihre Begegnungen mit ihm schildert – und stellt Euch schließlich Gerhard Hirschfelder selbst vor: 
 

 

Der junge Kaplan muss wirklich ein außergewöhnlicher und sehr sympathischer Mensch gewesen sein. Alle Berichte sprechen von einem fröhlichen, humorvollen jungen Mann, der mit beiden Beinen im Leben stand. „Hischfelder ist unser Sonnenschein“, heißt es da zum Beispiel an einer Stelle. Und dennoch muss er auch erfüllt gewesen sein von einer tiefen Gläubigkeit. 1907 in Glatz geboren, mit 25 Jahren in Breslau zum Priester geweiht, hatte er noch zehn Jahre zu leben. Unter anderem als Diözesanjugendseelsorger für die Grafschafter Jugend. Und für die hat er sich schließlich auch bis zum Letzten eingesetzt. Er, der wohl manche Jugendstunde mit seiner Gitarre belebt hat, der kein Spiel und keinen Spaß ausgelassen hat, stand vor der Nazi-Diktatur für seinen Glauben und für seine, ihm anvertraute, Jugend ein. Er überließ sie nicht der Hitlerjugend. Selbst erst Mitte dreißig, wusste er genau ,was ihm drohte – die Warnungen, die ihm zukamen, waren mehr als offensichtlich. Aber er stellte sich auf die Kanzel und sagte dem Schreckensregime ins Gesicht: „Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“. 
Dafür kam er ins Gefängnis. Erst in Glatz, dann ins Dachauer Konzentrationslager. Hirschfelder, der ein schwaches Herz hatte, muss schrecklich gelitten haben. Aber er hat sich nie beklagt. Bekam er einmal Brot und Süßigkeiten in Glatz für den Abtransport zugesteckt, verteilte er es im Zug. Weihnachten hat er in irgendeinem Gefängnis in Wien verbracht. Ein Mithäftling erinnert sich: Noch nie habe er jemanden vom Wunder der Weihnacht so erzählen hören. 
Ein Jahr nach seine Festnahme, am ersten August 1942, stirbt er in Dachau. 
Gerhard Hirschfelder muss ein Mensch gewesen sein, der die Liebe gelebt hat. 
Der gebürtige Neuroder Joachim Reinelt, heute Bischof von Dresden, würdigte dies in seiner Predigt: „Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“, diese Worte Hirschfelders hätte man auch der DDR Diktatur entgegnen müssen, betonte er. 


Und auch heute haben sie noch nichts von ihrer Aktualität verloren – im Gegenteil! 
Markus Ratajski, Marco Malten, ich und noch einige andere aus der Jungen Grafschaft sind an diesem Samstag durch ganz Deutschland gefahren, um zu zeigen, dass der Jugend sein Einsatz nicht egal ist. Und auch, wenn wir uns bei der anschließenden Prozesseröffnung, mit deutsch-lateinischen Eidesformeln und Schwüren des geistlichen Gerichts, ein Grinsen manchmal kaum verkneifen konnten, weil die Szenerie doch jeden Spielfilm noch weit übertraf – ich glaube, keiner hat die weite Fahrt bereut. 
Denn eins haben wir in diesen Stunden gespürt: Gerhard Hirschfelder ist zugleich eine Brücke zwischen Deutschen, Polen und Tschechen. Er hat sein Leben für die Jugend geopfert. Also auch für uns... Er bezeugte seinen Glauben und stand für christliche Werte ein. Gerade das erfahren wir heute als schwierig und oft ziemlich uncool. 
 
Gerhard Hirschfelder ist auch heute noch Vorbild! Er wird uns in Erinnerung bleiben! 

Karin Lauterbach



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