| KAPLAN GERHARD HIRSCHFELDER |
- ein Märtyrer aus der Grafschaft Glatz
Einzug
Im Dom zu Münster
Der Nuntius weiht die Kerze
Eröffnung des Seligsprechungsprozesses
Bischof Reinelt aus Dresden |
Wenn der Großdechant Franz Jung
zum Gottesdienst einlädt, ist das für die meisten von uns nicht unbedingt
ein Highlight. Sein Titel sagt ebenso wie manche Predigt nicht mehr allen
Jungen Grafschaftern etwas, und das häufig angeschnittene Thema der
Vertreibung ist inzwischen für viele längst passé. Und ob der oft
beschworene Grafschafter Geist dann eben auch wirklich da ist, wenn er so
herbei zitiert wird, sei nun mal dahingestellt. Und was soll das schließlich
überhaupt noch mit dem Bezug zur Grafschaft...?
Wer sich jedoch an einem sonnigen Samstag im September
nach Münster aufmachte, der konnte auf diese Fragen vielleicht eine Antwort
finden. Dort fand nämlich die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für
Kaplan Gerhard Hirschfelder statt. Lasst Eurer Phantasie mal freien Lauf: Stellt Euch den Chor und das Orchester vor, die sich
nur zweimal im Jahr sehen und hart für dieses Ereignis geprobt haben. Stellt
Euch Kerzen vor und Sonnenstrahlen, die sich durch Weihrauchsäulen ziehen.
Stellt Euch drei Dutzend Geistliche am Altar vor, stellt Euch eine zierliche
alte Dame aus der Tschechei vor – eine Zeitzeugin, die bei Gerhard
Hirschfelder noch Jugendstunde hatte und die mit ergreifenden Worten ihre
Begegnungen mit ihm schildert – und stellt Euch schließlich Gerhard
Hirschfelder selbst vor: Der junge Kaplan muss wirklich ein außergewöhnlicher
und sehr sympathischer Mensch gewesen sein. Alle Berichte sprechen von einem
fröhlichen, humorvollen jungen Mann, der mit beiden Beinen im Leben stand.
„Hischfelder ist unser Sonnenschein“, heißt es da zum Beispiel an einer
Stelle. Und dennoch muss er auch erfüllt gewesen sein von einer tiefen
Gläubigkeit. 1907 in Glatz geboren, mit 25 Jahren in Breslau zum Priester
geweiht, hatte er noch zehn Jahre zu leben. Unter anderem als
Diözesanjugendseelsorger für die Grafschafter Jugend. Und für die hat er
sich schließlich auch bis zum Letzten eingesetzt. Er, der wohl manche
Jugendstunde mit seiner Gitarre belebt hat, der kein Spiel und keinen Spaß
ausgelassen hat, stand vor der Nazi-Diktatur für seinen Glauben und für
seine, ihm anvertraute, Jugend ein. Er überließ sie nicht der Hitlerjugend.
Selbst erst Mitte dreißig, wusste er genau ,was ihm drohte – die Warnungen,
die ihm zukamen, waren mehr als offensichtlich. Aber er stellte sich auf die
Kanzel und sagte dem Schreckensregime ins Gesicht: „Wer der Jugend den
Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“. Karin Lauterbach |
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